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Privatbesitz wird zum Kulturgut für alle Bürger des Dorfes

Von Wendelin Schmidt

Geschichte und Geschichtliches interessiert Dr. Thomas Meyer schon von Berufs wegen: Der Professor für Griechisch, Latein und Geschichte hat vor 29 Jahren das fast verfallene Schloss Neunstetten gekauft und grundlegend renoviert. Die Stadt Krautheim dankte es ihm jetzt mit der Verleihung der Bürgermedaille in Gold.

Die Gemeinderäte und zahlreiche Bürger applaudierten im Saal des Johanniterhauses, als Bürgermeister Andreas Köhler dem Schlosserneuerer am Donnerstagabend die Bürgermedaille ans Revers heftete. Professor Meyer habe sich durch sein Engagement nicht nur um Schloss, Bandhaus und Anlagen verdient gemacht, sondern auch um die Stadt Krautheim und ihren Teilort Neunstetten.

Seit Jahren stellt der Schlossherr, der am 17. Dezember 2005 seinen 80. Geburtstag gefeiert hatte, die ganze Schlossanlage auch für Feste der Ortschaft, für Ausstellungen und Führungen zur Verfügung, und der Hohenloher Kultursommer veranstaltet hier auch regelmäßig Konzerte. „Sie betrachten das ganze Ensemble nicht nur als ihr Schloss, sondern auch als Kulturgut für die Bürger“, anerkannte Köhler dankbar und erinnerte daran, dass Meyer während der Renovierungszeit, die sich von 1981 bis 1994 hinzog, manchmal in kalten Zimmern wie in einem Biwak übernachtet habe.

Dass auch die Neunstettener selbst die Leistung ihres Neubürgers von Anfang an zu schätzen wussten, sah Bürgermeister Köhler durch deren Bereitschaft bestätigt, bei den Arbeiten mitzuhelfen. Dafür dankte auch Professor Meyer, der stellvertretend für hilfsbereite Neunstettener den damaligen Ortsvorsteher Fritz Fessler nannte: „Er hat die Renovierung des Schlosses von Anfang an als eine Sache betrachtet, die auch für Neunstetten wichtig ist“. Fessler habe selbst fleißig Hand angelegt und sei auch schon mal mit dem Bulldogg angerückt, wenn es nötig gewesen sei.

Es habe ihn gefreut, sagte Meyer, als der TSV Neunstetten, dessen Ehrenmitglied er mittlerweile ist, ihn 1991 gefragt habe, ob der TSV im und um das Schloss ein Dorffest feiern dürfe: „Das war etwas, was mich sehr angerührt hat, als ich sah, mit welcher Begeisterung die Bürger Buden aufstellten und ein Programm zusammenstellten“. Zwölf Jahre vorher habe er schon dem damaligen Bürgermeister Erhard Ziegler auf seine Frage zugesagt, dass er das Schloss gerne für Feste der Bürger zur Verfügung stellen werde: „Es war ja nicht meine Absicht, das Schloss zu einer Drachenburg zu machen, womöglich mit mir als Oberdrachen darin“.

Professor Meyer, der mit Sohn Jakob und Enkel Johannes aus Tübingen angereist war, dankte für die Auszeichnung durch die Gemeinde: „Ich habe mich sehr darüber gefreut, weil sie das betrifft, was von Anfang an mein Anliegen war“.

Quelle: Hohenloher Zeitung 21.01.2006